Integratives Schulentwicklungsprojekt (ISEP)

Seit September 2002 gibt es bei uns eine Integrationsklasse: in eine damals 5. Klasse haben wir 16 Kinder mit einer Realschulempfehlung und vier Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die üblicherweise eine Schule für Geistigbehinderte oder eine Förderschule (Schule für Lernbehinderte) besuchen würden, aufgenommen. Inzwischen hat diese Klasse bereits die Jahrgangsstufe 7 erfolgreich absolviert und gerade die Genehmigung für zwei weitere gemeinsame Jahre vom Oberschulamt erhalten.

ISEP in aller Kürze:

Wer unterrichtet in einer ISEP-Klasse?

Jede Stunde wird im Tandem unterrichtet: von je einer Lehrkraft aus der Sonderschule und der Realschule.
Was lernen die Kinder in einer ISEP-Klasse?
Da unser ISEP an einer Realschule stattfindet, ist für alle der Bildungsplan der Realschule maßgebend, indem wir aus ihm die Themen entnehmen. Da das Leistungsvermögen in unserer Klasse ganz besonders divergiert, werden vor allem für die Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf die Ziele und Aufgaben  individuell festgelegt.
Welche Vorteile hat ein ISEP für die Kinder?
Die Unterschiedlichkeit der Kinder ist ein Vorteil für alle. Initiiert wurde das Schulentwicklungsprojekt mit der Intention, die soziale Kompetenz bei den Realschulkindern zu verbessern. Indem sie z.B. Sonderschulkinder anleiten und unterstützen, üben sie auch während des Unterrrichts ihre Hilfbereitschaft. Ebenso haben die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. So können alle lesen und schreiben und Klassenaufgaben übernehmen. Mal ganz abgesehen davon: wir haben einfach oft großen Spaß zusammen und lachen viel!!
Ist der gemeinsame Unterricht nicht ein Nachteil für die Kinder der Real- oder Sonderschule?
Gerade jetzt in der Pubertät stöhnt das eine oder andere Kind schon Mal darüber, dass wir immer zu zweit (Sonderschul- und Realschullehrkraft) in der Klasse sind. Schließlich ist dadurch das Briefchenschreiben u.ä. deutlich erschwert!
Aus pädagogischen Gesichtspunkten hingegen ist die Kombination von Real- und Sonderschule in vielen Punkten nur hilfreich. So werden Lern- und Verhaltensschwierigkeiten bei SchülerInnen im Team oder zumindest im Tandem besprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Dies hat zur Folge, dass auch für Realschulkinder Ideen aus dem Sonderpädagogischen aufgegriffen werden oder Regeln und Aufgaben auch für Sonderschulkinder gelten, die es in ihrer Schulart sonst in dieser Form nicht gäbe. So schöpfen wir immer aus zwei pädagogischen Richtungen und haben vielleicht so mehr Handlungsspielraum.
Kann ein ISEP in jeder Schule oder Klasse initiiert werden?
Prinzipiell ja, doch muss man unbedingt darauf hinweisen, dass das Arbeiten in einem ISEP sehr stark vom "regulären" Unterricht abweicht. D.h. die offenen Unterrichtsformen, der Umgang mit Kindern der anderen Schulart und nicht zuletzt der hehre Anspruch, den Bildungsplan der Realschule so zu differenzieren, dass alle Kinder angesprochen und in ihrem Maß gefördert und gefordert werden, verlangt viel Flexibilität, Kreativität, Mut und  Durchhaltevermögen.
Würden wir ISEP weiter empfehlen?
In jedem Fall: Ja! Es ist eine unglaubliche Erfahrung für alle Beteiligten. Wenn man die Höhen und Tiefen zusammen zählt, ist es einfach nur eine Bereicherung, die prägt! Und dies hoffentlich auch "unsere" Kinder!
Für alle, die mehr über ISEP erfahren möchten:

                      Saskia Gensow (Realschullehrerin)
                      Horst Babenhauserheide (Sonderschullehrer)

                      13. Juli 2005